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Die Kultur des Miteinanders

Wenn Menschen interagieren, entsteht ein „Gewirke“, in dessen Wesen oder Ausprägung man die Kräfte, die es bewirkt haben, wiedererkennen kann. Die Beiträge der Einzelnen nehmen Einfluss, aber die wechselwirksamen, vielfältigen (d. h. komplexen) Interaktionen verformen deren Kräfte und gestalten es zu etwas Eigenem. Selten ist der Beitrag einer/s Einzelnen am Ergebnis direkt ablesbar. Aus einer Anzahl von Individuen wird ein soziales Gefüge, ein Beziehungsgeflecht, dem ein Eigenleben erwächst. Es ist etwas Lebendiges entstanden, ein soziales System mit eigenem Kräftefluss, mit besonderen Wirkungen, Effekten und Prinzipien. Es wurde zu einem sozialen Ganzen, zu einer sozialen Entität, deren Leben und Wirkungsmacht uns in ganz unterschiedlichen Qualitäten begegnet:
- Du und Ich und unsere Beziehung
- eine Gruppe und ihr Miteinander
- ein Projekt und dessen Netzwerk
- Begegnungen von Menschen und ihr gemeinsames Sein
- eine Kreativgruppe und ihr Produktionsprozess
- eine Gemeinschaft als System

Jedes Miteinander beginnt als gemeinsames Interesse an einem Thema. Dies ist die Idee – es versammelt die Gruppe. Doch sobald der Prozess anläuft, wird die eigentliche Wirkungsebene mit einbezogen: das Spiel der Verbindungen untereinander. Erst dies begründet das Gemeinsame, das Miteinander, das aufeinander Bezogene. Es entsteht ein Beziehungsgefüge.

Das gegenseitige, persönliche Interesse am Anderen und somit am Miteinander rücken sukzessive in den Vordergrund; es entwickelt eigene Kraft und Wirkungspotenzial. Das Beziehungsgefüge, das Netz von Menschen, das ganze System ist im Mittelpunkt, wird so zum Sinn an sich. Das ursprüngliche, konstituierende Ziel löst sich in einem sozialen Gebilde auf, das nun seinerseits zum eigentlichen Zweck wird.

Das ursprüngliche Zusammensein aus einem gemeinsamen Interesse heraus hat eine neue Gestalt angenommen: Es wurde zu einem qualitativen Miteinander, das dem Ganzen seine Struktur, seine verbindende Qualität und seine eigentliche Substanz verleiht. Dies ist der emergente Effekt, der sich aus den wechselseitigen Interaktionen im ursprünglichen Ringen um ein Ziel oder Thema ergibt. Er war nicht vorhersehbar und hat in seiner strukturellen Kraft für die Gruppe von Menschen einen sich selbst erhaltenden Zweck gewonnen.

Dieser „eigentliche“ Zweck eröffnet sich allen, die an den Prozessen teilnehmen – als Sog, dem man sich kaum entziehen kann, denn in ihm erfahren wir einen Sinn, den alleine herzustellen unmöglich ist: Er entfaltet eine kohäsive Kraft als kollektiver, haltender Körper, durch den man das Miteinander als wahrlich heilsamen und inspirierenden Ort erlebt. Diese Perspektive verweist auf das Entstehen versöhnender, kreativer und zukunftsfähiger Potenziale in allen Teilnehmenden – auf Ideen, Visionen und Transformation. Dies ist die Tiefenwirkung der CommunityField-Prozesse - ihr tieferer Sinn.

 

 

Rainer Kirstätter   /   Margret Roddis:

Das Handbuch zur Methode

CommunityField ® Die Kultur des Miteinanders

- Das HÜTER-PRINZIP  in Beziehungen und sozialen Prozessen -

Taschenbuch: 302 Seiten

Verlag: epubli; Auflage: 2 (8. Februar 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3869913576

ISBN-13: 978-3869913575

Größe: 17 x 1,8 x 24 cm